Ernst Mosch bis Swing
Wiesbadener Tagblatt vom 17.06.2011 von Anja Baumgart-Pietsch

Von Ernst Mosch bis zum Swing

ESWE-MUSIKANTEN Ensemble pflegt ein breites Repertoire

Bernd Meffert, der Vorsitzende, ist mittlerweile der einzige noch verbliebene ESWE-Mitarbeiter bei dem Orchester, das den Namen der Verkehrs- und Versorgungsbetriebe der Stadt Wiesbaden trägt: Die „ESWE-Musikanten“ können in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiern und sind eine Kapelle aus vielen hervorragenden Freizeit-Musikern, die allen möglichen Berufsgruppen angehören und gar nicht mal alle in Wiesbaden wohnen: „Es reisen Mitspieler sogar aus Bingen zur Probe an“, sagt Meffert, der die musikalische wie menschliche Qualität und Zusammengehörigkeit seiner Mit-Musikanten schätzt und ausdrücklich betont.

Der böhmischen, speziell der Egerländer Blasmusik, hat sich das Orchester verschrieben. Unter seinem langjährigen Dirigenten Holger Müller spielten die knapp zwei Dutzend Musiker ihr volkstümliches Repertoire bald nicht nur in Wiesbaden, sondern auch in den Partnerstädten. „Wir waren lange Zeit auch Stammgäste beim Bierfest in San Sebastian“, erzählt Bernd Meffert. Leider ist das mittlerweile nicht mehr der Fall, denn dort habe der Festorganisator gewechselt und lade die Wiesbadener zu deren großem Bedauern nicht mehr ein.

Die Blaskapelle gestaltet Feste in Wiesbaden mit!

An Auftrittsgelegenheiten mangelt es der Blaskapelle aber nicht: „In Wiesbaden sind wir zum Beispiel beim Mosburgfest und beim Erntedankfest dabei“, sagt Bernd Meffert. „Beim Biebricher Höfefest waren wir dieses Jahr zum ersten Mal und haben in etwas kleinerer Besetzung gespielt - auch das war ein großer Erfolg.“ Man kann das Orchester mieten - und das sogar „zweigleisig“, wie der Vorsitzende berichtet: „Wir haben einerseits das böhmische Volksmusik-Repertoire und andererseits pflegt unser Dirigent Alfred Herr auch gerne mit uns die Swing-Musik“. Diese hatte bereits Vorgänger Holger Müller mit ins Programm mit aufgenommen. Also können die „Musikanten“ auch wie eine klassische Bigband daherkommen, dann sind auch Rhythmusmusiker mit von der Partie.

Alfred Herr, selbst Trompeter, leitet nicht nur die ESWE-Musikanten, sondern auch die Bigband des Hessischen Polizeiorchesters und ist daher Fachmann für Swing. Es gebe auch zahlreiche eigens für die Formation arrangierte Stücke, so Bernd Meffert. „Natürlich haben wir auch ein paar Dauerbrenner wie die Löffelpolka oder Rosamunde. die will das Publikum immer hören.“ Aber das Repertoire bestehe mittlerweile aus Hunderten von Titeln. „Wir haben in unserer Mappe um die 200 Titel und im Archiv bestimmt 1000“ schätzt der Vorsitzende.

Auf die musikalische Qualität wird ganz besonderer Wert gelegt, daher bietet das Orchester auch keine Ausbildungsmöglichkeiten: „Wer zu uns kommt, muss bereits gut sein Instrument beherrschen“ betont Meffert. Auch solle er im Idealfall ein eigenes Instrument besitzen. Nichtsdestotrotz sind neue Musikerinnen und Musiker immer willkommen. Die Proben finden montags im Vereinshaus der ESWE in der Nähe des Hallenbades statt. „Wir achten aber auch darauf, dass man menschlich auf derselben Wellenlänge schwimmt“, berichtet Bernd Meffert vom guten Zusammenhalt der Musiker.
Bei Festen und Ausflügen sind die Mitglieder des Orchesters auch privat oft gemeinsam aktiv und gut miteinander befreundet. Im Juli beispielsweise wird eine zweitägige Fahrt in den Europapark Rust unternommen.
Auch ein Ehepaar hat sich bereits bei den Musikanten gefunden: Im vergangenen Dezember gab es den ersten „Musikernachwuchs“. Der Altersdurchschnitt des Orchesters, so schätzt Bernd Meffert, dürfte ungefähr bei Mitte 40 liegen. „Wir haben aber auch junge Musiker dabei“.
Die Egerländer Blasmusik, allen voran die des unvergessenen Ernst Mosch, ist für alle eine Herzenssache. „Wir haben auch schon bei entsprechenden Wettbewerben gut abschneiden können“, freut sich der Vorsitzende. Eine CD wurde zum 25-jährigen Bestehen 2006 produziert, sie trägt den Titel „Blasmusik à la carte“. Das 30-jährige Bestehen wird nicht so groß begangen, „größere Festivitäten haben wir vor fünf Jahren gemacht“, so Meffert.

Kein spezielles Jubiläums-Konzert!

Ein spezielles Jubiläumskonzert steht also erst einmal nicht auf dem Programm. Doch bei vielen Wiesbadener Festen sind die „ESWE-Musikanten“ vertreten und versorgen die Freunde böhmischer Blasmusik mit den passenden Tönen. „Es macht uns allen einen Riesenspaß“, betont der Vorsitzende.

 
Böhmischer Frühling
Beitrag der AZ Mainz Autor und Datum nicht bekannt

"Böhmischer Frühling" in Sörgenloch
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So schön kann Blasmusik sein! Schwungvolle Melodien, wehmütige Heimatklänge und heitere Töne - die Vielseitigkeit traditioneller Blasmusik stellten die ESWE-Musikanten mit virtuosem Spiel mit sichtbarer Freude an dieser Musik in ihrem Konzert "Böhmischer Frühling" unter Beweis.Die Bläser begannen mit einem zünftigen Marsch des zeitgenössichen Komponisten Franz Watz, dessen Titel "Ja, das ist Musik" nicht besser hätte gewählt sein konnte.
Moderator Peter Müller gedachte des "Urvaters" dieses Genres und Gründe der "Original Egerländer Musikanten", Ernst Mosch, der 1999 verstarb. Die Titel "Fucksgrabenpolka", "Musikantenliebe" und "Josefi-Polka" aus seiner langen Karriere erklangen im Vereinshaus - für Blasmusikliebhaber Genuss pur. Die Instrumentalisten spielten virtuos und mit sichtbarer Freude, ihr musikalischer Leiter Alfred Herr dirigierte ausdrucksstark mit ganzem Körpereinsatz und brachte damit die markanten Töne der Komponisten auf den Punkt. Die das Publikum von Peter Müller erfuhr, spielte Mosch nicht nur hervorragend Intrumentalmusik, sondern sang auch mit verschiedenen Partnerinnen im Duett.
soergenloch_018soergenloch_028In Sörgenloch übernahmen diesen Part die Gesangssolisten "Claudia und Skipper". Spielten die "ESWE-Musikanten" meist böhmische Blasmusik nach deutscher Art, so servierten sie dem Publikum auch Original-Musik von böhmischen Blaskapellen.
Ob "Musikantengeflüster", die "Dudelsackpolka" oder "Aha" - diese Musik hat ihren eigenen Stil.
Wenn diese Art von Blasmusik auch nicht überall Freunde findet, so war das Konzert im Vereinshaus ein voller Erfolg. Die Zuhörer klatschten am Ende begeistert und forderten drei wunderschöne Zugaben heraus. Die Bilder des Konzertes finden Sie im Menü Bildergalerie.